TGB Automation

Berechnungsfaktoren

Temperaturkoeffizient

Auch bekannt als: Temperaturbeiwert, TK

Symbol

α 1/K

Kurzantwort

Ein materialspezifischer Faktor, der die Änderung des elektrischen Widerstands pro Kelvin Temperaturerhöhung beschreibt.

Grundlage: Kategorie: Berechnungsfaktoren

Formel-Referenz

Ausführliche Definition

Metalle werden mit steigender Temperatur schlechter leitfähig. Die thermischen Gitterschwingungen streuen die Leitungselektronen stärker, der Widerstand wächst näherungsweise linear. Der Temperaturkoeffizient α gibt an, um welchen Anteil der Widerstand je Kelvin Temperaturerhöhung zunimmt. Für Kupfer gilt α ≈ 0,00393 1/K, für Aluminium α ≈ 0,00403 1/K. Das bedeutet: Ein Kupferleiter, der sich von 20 °C auf 70 °C erwärmt, hat rund 20 % höheren Widerstand als bei Raumtemperatur. Dieser Effekt ist in der Dimensionierung unbedingt zu berücksichtigen, weil Volllast-Betriebstemperaturen von 70 °C bei PVC-isolierten Leitungen normal sind.

Typische Werte und Bandbreite

Typischer Bereich 0,00393 für Kupfer, 0,00403 für Aluminium
Untergrenze nahe 0 bei Konstantan-Legierungen
Obergrenze deutlich höher bei Halbleitern (negatives Vorzeichen)

Anwendung in unseren Rechnern

In unserem Modell rechnen wir den Widerstand bei der erwarteten Betriebstemperatur von 70 °C. Das ergibt um 20 % höhere Werte als die oft genannten 20-°C-Tabellenwerte. Entsprechend zeigt unser Rechner etwas höhere Spannungsfall-Werte als Quellen, die mit Kaltzustandwerten arbeiten — zu Recht, denn unter Last ist der Leiter eben warm.

Häufige Missverständnisse

Für Kurzschluss- und Schutzauslegung nutzt man oft nicht α, sondern den k-Wert (Ampere-Sekunden-Parameter) direkt. Ein anderer Fehler: α linear für sehr große Temperaturspannen anzuwenden — bei über 150 °C wird der Zusammenhang nichtlinear. Für die übliche Haus- und Schaltschrank-Installation bis 90 °C ist die lineare Näherung aber völlig ausreichend.

Häufige Fragen

Fachliche Details zu dieser Parameter-Kombination

Gibt es Materialien mit negativem α?
Ja — Halbleiter wie Silizium oder Germanium werden mit steigender Temperatur besser leitfähig. Auch Elektrolytlösungen und einige Spezial-Legierungen zeigen negatives α. In der Niederspannungs-Installation spielen diese Materialien aber keine Rolle.
Welches Material ist am temperaturstabilsten?
Konstantan (54 % Cu, 44 % Ni, 2 % Mn) hat einen nahezu verschwindenden Temperaturkoeffizienten α ≈ 0,00002 1/K. Es wird deshalb in Präzisionswiderständen eingesetzt, wo der Widerstand unabhängig von der Erwärmung sein muss.

Siehe auch

Verwandte Begriffe im Lexikon.

Orientierungshilfe · Prüfung durch Elektrofachkraft erforderlich Mehr →