Elektroschutz-Komponenten
LS-Charakteristik
Auch bekannt als: Auslösecharakteristik, B-Charakteristik, C-Charakteristik, D-Charakteristik, Auslöse-Kennlinie
Kurzantwort
Bezeichnet das Vielfache des Nennstroms, bei dem die magnetische Auslösung des LS instantan greift — typisch B (3–5×), C (5–10×), D (10–14×).
Grundlage: Kategorie: Elektroschutz-Komponenten
Ausführliche Definition
Die Charakteristik betrifft nur den Magnetauslöser; die thermische Überlast-Erfassung ist bei B/C/D identisch. B reagiert bereits bei moderaten Überschreitungen — passend für ohm'sche Lasten, deren Einschaltstrom kaum über dem Betriebsstrom liegt. C toleriert kurze Spitzen bis 10×I_n und ist für gemischte Lasten mit Vorschaltgeräten gedacht. D hält selbst hohe Inrush-Ströme aus, wie sie Trafos und große Motoren beim Einschalten ziehen. Zusätzlich gibt es K (10–14× wie D, aber strengere Toleranz für Industrieanwendungen) und Z (2–3× für sensible Halbleiter und Elektronik). Die richtige Wahl hängt vom Lastcharakter ab — eine B-Charakteristik für eine Maschine mit hohem Anlaufstrom löst aus, eine D-Charakteristik für eine Steckdose ist zwar sicher, kann aber ein Kabel im Kurzschlussfall nicht schnell genug abschalten.
Anwendung in unseren Rechnern
Im Absicherungs-Rechner schlagen wir auf Basis des `applicationKind`-Felds (resistive/mixed/inductive) automatisch die passende Charakteristik vor. Im Komponenten-Katalog hat jede Charakteristik eine eigene Leaf-Reihe (B6 bis B32, C6 bis C40, D10 bis D32) — mit Anwendungs-Matrix, die die Eignung pro Use-Case zeigt.
Häufige Missverständnisse
Verwechslung mit dem Nennstrom: die Bezeichnung B16 gibt zwei Informationen — Charakteristik B + 16 A Nennstrom. Beide unabhängig wählbar. Ein anderer Fehler: D-Charakteristik universell verwenden mit der Annahme, sie löse nicht versehentlich aus. Bei kleinen Querschnitten kann die Schleifenimpedanz dann zu groß sein und im Erdschlussfall die geforderte Abschaltzeit nicht erreicht werden.
Häufige Fragen
Fachliche Details zu dieser Parameter-Kombination
Was bedeuten B, C und D bei einem Leitungsschutzschalter genau?
Sie geben das Vielfache des Nennstroms an, bei dem der Magnetauslöser sofort öffnet. B steht für 3 bis 5 mal Nennstrom, C für 5 bis 10 mal, D für 10 bis 14 mal. Bei langsamer Überlast reagieren alle drei identisch über den Bimetall-Auslöser.
Welche Charakteristik bei Wallbox, Wärmepumpe und Herd?
Wallbox 11 kW (ohm'sche Last, kein Anlaufstrom): B16. Wärmepumpe (Inverter mit Vorlade-Kondensator): C25. Elektroherd mit Induktion (cos φ 0,95): C25 reicht meist, weil der Vorlade-Strom kurz ist. Klassischer Resistiv-Heizherd: B25.
Können B-, C- und D-Charakteristik ausgetauscht werden?
Mechanisch ja, sie sind formgleich. Aber jeder Tausch ändert das Kurzschluss-Verhalten: ein B16 statt D16 schaltet bei kleineren Strömen schneller, löst aber bei Inrush-Lasten unzulässig aus. Vor dem Tausch: Schleifenimpedanz gegen magnetische Auslösegrenze prüfen.
Siehe auch
Verwandte Begriffe im Lexikon.
Leitungsschutzschalter
Wiedereinschaltbares Schutzelement mit zwei Auslöse-Mechanismen — thermisch (Bimetall) …
Abschaltbedingung
Forderung nach DIN VDE 0100-410, dass beim Erdschluss im TN-System die Schutzeinrichtun…
Schaltvermögen
Der maximale Kurzschlussstrom, den ein Schutzgerät einmal (I_cu) oder wiederholbar (I_c…
Selektivität
Eigenschaft hintereinander geschalteter Schutzorgane (Sicherungen, LS-Schalter), bei ei…
Orientierungshilfe · Prüfung durch Elektrofachkraft erforderlich
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