TGB Automation

Berechnungsfaktoren

MPP-Tracker

Auch bekannt als: MPPT, Maximum Power Point Tracker, Maximum-Power-Point

Symbol

MPPT

Kurzantwort

Schaltung im Wechselrichter, die den optimalen Arbeitspunkt eines PV-Moduls (maximale Leistungsabgabe, Maximum Power Point) kontinuierlich nachregelt — Voraussetzung für den Voll-Ertrag bei wechselnder Einstrahlung.

Grundlage: Kategorie: Berechnungsfaktoren

Ausführliche Definition

Ein PV-Modul hat eine charakteristische Strom-Spannungs-Kennlinie, deren Produkt P = U·I genau einen Maximalpunkt aufweist — den Maximum Power Point (MPP). Position und Wert dieses Punktes verschieben sich mit Einstrahlung und Modul-Temperatur ständig. Der MPP-Tracker im Wechselrichter passt seinen Eingangswiderstand laufend so an, dass das Modul exakt am MPP arbeitet. Verfahren: Perturb-and-Observe (P&O — kleine Probebewegung, Leistung messen, Richtung beibehalten oder wechseln) ist Standard, fortschrittlichere Trackers verwenden Inkremental-Konduktanz oder modellbasierte Verfahren bei Teilverschattung. Moderne Mikrowechselrichter haben einen Tracker pro Modul, klassische String-Wechselrichter einen pro Strang. Bei einem 800-W-Balkonkraftwerk mit zwei Modulen und zwei MPPT-Eingängen können beide Module unabhängig optimal arbeiten — auch wenn eines im Schatten liegt. Bei nur einem Tracker für beide Module bestimmt das schwächere Modul den Arbeitspunkt, der Ertrag des stärkeren sinkt mit.

Typische Werte und Bandbreite

Typischer Bereich Wirkungsgrad MPPT > 98 % bei modernen Wechselrichtern
Untergrenze 95 % bei Billig-Mikrowechselrichtern
Obergrenze 99,5 % bei Premium-Stringinvertern

Anwendung in unseren Rechnern

Beim Balkonkraftwerk-Rechner ist die MPP-Spannung des Moduls (typisch 33–41 V je nach Modultyp) der Spannungswert für die DC-Spannungsabfall-Rechnung. Der Tracker arbeitet auf dieser Spannung; ein Spannungsabfall in der Strangleitung von z.B. 1 % verschiebt den vom Tracker beobachteten Arbeitspunkt nach unten und kostet überproportional Ertrag — daher der strenge 1,5-%-Richtwert nach DIN VDE 0100-712.

Häufige Missverständnisse

Häufige Verwechslung: MPPT-Wirkungsgrad und EU-Wirkungsgrad. Der MPPT-Wirkungsgrad beschreibt nur, wie gut der Tracker den realen MPP findet (Datenblatt-Wert: typisch 98 %), der EU-Wirkungsgrad ist der gesamtgewichtete DC→AC-Wirkungsgrad nach europäischem Lastprofil und liegt typisch bei 94–96 %. Ein anderer Fehler: zwei Module unterschiedlicher Leistung an denselben MPPT-Eingang anschließen — der Tracker findet dann den MPP des Verbunds, nicht der Einzelmodule, und beide arbeiten unter ihrem Optimum.

Häufige Fragen

Fachliche Details zu dieser Parameter-Kombination

Wie viele MPP-Tracker hat ein typischer Balkonkraftwerk-Wechselrichter?
Marktstandard 2026: zwei MPP-Tracker pro 800-W-WR (Hoymiles HMS-800W-2T, APsystems EZ1-M, Deye SUN-M80). Damit lassen sich zwei Module mit unterschiedlicher Ausrichtung oder Teilverschattung unabhängig optimieren. Ältere 1-Tracker-Geräte sind bei asymmetrischer Verschattung im Nachteil.
Was passiert bei Teilverschattung eines Moduls?
Wird eine Zelle verschattet, bricht die Modulleistung überproportional ein. Bypass-Dioden minimieren den Effekt, der Tracker passt MPP-Spannung an. Bei zwei Modulen am selben Tracker ohne Bypass-Logik zieht es den Strang runter — daher: pro Modul ein Tracker.
Brauche ich für ein 800-W-Balkonkraftwerk eigene MPP-Tracker?
Praktisch ja, weil moderne WR sie ohnehin eingebaut haben. Eine separate MPPT-Box (Power-Optimizer) zwischen Modul und WR lohnt sich bei großen Dachanlagen, bei 2-Modul-BKW aber überdimensioniert — die Mehrleistung rechtfertigt Mehrkosten + Zusatz-Steckverbindungen nicht.

Siehe auch

Verwandte Begriffe im Lexikon.

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