Installationsmethoden
TN-System
Auch bekannt als: TN-Netz, TN-S, TN-C, TN-C-S, Nullung
Kurzantwort
Erdungssystem nach DIN VDE 0100-410, in dem ein Punkt der Stromquelle (typisch der Trafo-Sternpunkt) direkt geerdet wird und die Körper der Verbraucher über einen Schutzleiter PE mit diesem Punkt verbunden sind.
Grundlage: Kategorie: Installationsmethoden
Ausführliche Definition
Das TN-System ist die in Deutschland und weiten Teilen Europas verbreitetste Erdungs-Architektur. Der Buchstabe T steht für die direkte Erdung eines Punktes der Stromquelle (Terre/Erde), der Buchstabe N für die direkte Verbindung der berührbaren Körper mit diesem Punkt über einen Schutzleiter (Neutralleiter-gebunden). Es gibt drei Varianten: TN-S führt Neutral- und Schutzleiter komplett getrennt, TN-C kombiniert beide zu einem PEN-Leiter, TN-C-S beginnt als TN-C am Hausanschluss und teilt sich nach dem Hauptpotentialausgleich in N + PE auf — der praktische Standard im deutschen Wohnungsbau. Im TN-System wirkt der Erdschluss als kurzgeschlossener Stromkreis mit niederohmiger Schleife und löst einen ausreichend hohen Kurzschlussstrom aus, um den vorgelagerten Leitungsschutzschalter im unverzögerten Bereich abzuschalten.
Typische Werte und Bandbreite
| Typischer Bereich | Standard in Deutschland (TN-C-S) |
|---|
Anwendung in unseren Rechnern
Sämtliche Berechnungen unseres Schleifenimpedanz-Rechners gehen vom TN-System aus, weil das die typische deutsche Hausinstallation ist. Im IT- oder TT-System gelten andere Schutzmechanismen: das IT-System nutzt einen Isolationswächter, das TT-System einen RCD als Hauptschutzelement.
Häufige Missverständnisse
Häufige Verwechslung: TN-C und TN-C-S sind nicht dasselbe. TN-C verzichtet auf einen separaten Schutzleiter (gefährlich bei PEN-Bruch), während TN-C-S nach dem Hausanschluss in N und PE aufgeteilt wird. Reine TN-C-Anlagen sind in Wohngebäuden seit Jahrzehnten unzulässig — sie kommen nur noch zwischen Trafo und Hausanschluss vor.
Häufige Fragen
Fachliche Details zu dieser Parameter-Kombination
Wie erkenne ich, ob meine Anlage TN-S oder TN-C-S ist?
Im Hausanschlusskasten: Geht ein einzelner Leiter rein, der sich am Potentialausgleich in N und PE aufteilt, ist es TN-C-S (Standard). Sind N und PE durchgehend von der Trafo-Station bis zur Steckdose getrennt, ist es TN-S — typisch bei Industrieanlagen mit eigenem Trafo.
Warum funktioniert der Fehlerschutz im TN-System ohne RCD?
Ein Erdschluss bildet eine niederohmige Schleife (Außenleiter → Verbraucher → PE → Trafo-Sternpunkt). Bei kleinem Z_s fließt sofort ein hoher Kurzschlussstrom, der den LS in unter 0,1 s auslöst. Ein RCD ergänzt das für 30 mA Differenzströme, ist aber keine Grundsicherung.
Was passiert beim PEN-Bruch in einem TN-C-System?
Bricht der PEN-Leiter, liegt am Verbraucher-Gehäuse plötzlich 230 V an — extrem gefährlich. DIN VDE 0100-540 fordert deshalb im Wohnungsbau zwingend Aufteilung auf TN-S nach dem Hauptpotentialausgleich (also TN-C-S statt TN-C). Reines TN-C im Wohnbereich ist Lebensgefahr.
Siehe auch
Verwandte Begriffe im Lexikon.
Orientierungshilfe · Prüfung durch Elektrofachkraft erforderlich
Mehr →