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Schaltschrank F vs G

Side-by-Side: Anordnung F gegen Anordnung G — Spec-Tabelle, Entscheidungs-Branches und FAQ in einer Antwort.

Wann F, wann G?

Anordnung G
Variante A
Anordnung F
Variante B
Anordnung G

Kurzantwort

F (sich berührend) ist die kompakte Anordnung in Kabelpritschen und Schwenkrahmen, G (mit Abstand) erlaubt durch freie Konvektion zwischen den Leitern rund 33 % mehr Strom. In typischen Schaltschränken ist F Standard, weil Platz teurer ist als ein größerer Querschnitt — G lohnt erst bei sehr hohen Strömen oder Stromschienen.

Grundlage: DIN EN IEC 61439-1

Orientierungshilfe · Prüfung durch Elektrofachkraft erforderlich Mehr →

Eigenschaftsvergleich

Direkte Gegenüberstellung der wichtigsten Eigenschaften. Cyan markierte Zeilen zeigen, wo sich beide Varianten signifikant unterscheiden.

Eigenschaft Anordnung F Anordnung G
Geometrie Dreieck oder nebeneinander, Berührung horizontal, mind. 1 Kabeldurchmesser Abstand
I_30 bei 25 mm² Cu [A] Eigenes Wärmebilanz-Modell, Cu-Leiter, PVC-Isolierung, 70 °C / 30 °C 109 145
I_30 bei 16 mm² Cu [A] 82 109
I_30 bei 50 mm² Cu [A] 167 219
Belastbarkeits-Vorteil G gegenüber F Referenz rund + 33 %
Platzbedarf im Schaltschrank kompakt deutlich mehr Platz
Typische Anwendung Schwenkrahmen, Kabelkanal Sammelschiene, Verteilerrahmen
Norm-Grundlage DIN EN IEC 61439-1 DIN EN IEC 61439-1

Welche Variante passt zu meiner Anwendung?

Entscheidungs-Hilfe nach typischen Use-Cases. Bei Mischfällen die strengere Regel anwenden.

Welche Variante passt zu welchem Anwendungsfall?

  • Anordnung F

    Standard-Schaltschrank-Verdrahtung im Schwenkrahmen

    Platz im Schaltschrank ist teuer — F packt mehr Stromkreise auf gleichem Raum. Eine Querschnittsstufe größer ist meist günstiger als ein größerer Schaltschrank.

  • Anordnung G

    Hauptverteilung mit Strömen ab 200 A

    Bei großen Querschnitten (50 mm² aufwärts) ist der Mehrgewinn durch G absolut deutlich — bei 50 mm² sind das + 52 A pro Phase.

  • Anordnung G

    Sammelschienen-System mit dauerhaft hoher Auslastung

    Sammelschienen sind ohnehin auf Abstand montiert — G ist die natürliche Anordnung, freie Konvektion und Strahlungswärme-Abfuhr senken die Leitertemperatur.

Worin unterscheiden sich die beiden in der Praxis?

Der praktische Unterschied zwischen Anordnung F und Anordnung G zeigt sich in der Spec-Tabelle oben am deutlichsten in den Cyan markierten Zeilen — dort weichen die Werte signifikant voneinander ab. F (sich berührend) ist die kompakte Anordnung in Kabelpritschen und Schwenkrahmen, G (mit Abstand) erlaubt durch freie Konvektion zwischen den Leitern rund 33 % mehr Strom. In typischen Schaltschränken ist F Standard, weil Platz teurer ist als ein größerer Querschnitt — G lohnt erst bei sehr hohen Strömen oder Stromschienen.

Welche Norm regelt diesen Unterschied?

Wir referenzieren ausschließlich Norm-Nummern und thematische Titel — der Norm-Inhalt selbst bleibt urheberrechtlich beim VDE-Verlag und wird hier nicht reproduziert.

Nächste Schritte

Passende Folgeberechnungen für diese Parameter-Kombination.

Häufige Fragen

Fachliche Details zu dieser Parameter-Kombination

Warum sind die Werte für F und G so unterschiedlich?
Bei Anordnung F berühren sich die Leiter, geben gegenseitig Wärme ab und erwärmen sich gemeinsam — die Kühl-Oberfläche jedes Leiters ist zur Hälfte auf einen Nachbarn gerichtet, was den effektiven Wärmeübergang halbiert. Bei G mit einem Kabeldurchmesser Abstand kann jeder Leiter ringsum Wärme abgeben, die Konvektion verläuft ungestört. Das macht im physikalischen Modell rund ein Drittel mehr zulässigen Strom aus.
Welche Werte gelten bei höheren Innentemperaturen?
Die Werte in der Tabelle sind bei 30 °C Umgebungstemperatur angegeben. Im Schaltschrank rechnet man typisch mit 55 °C Innentemperatur, dann sinkt die Belastbarkeit nach k_t = √((70-55)/(70-30)) ≈ 0,612, also auf rund 61 % der I_30-Werte. Beispiel: 25 mm² Cu in F bei 55 °C trägt nicht 109 A, sondern etwa 67 A.
Gilt das nur für Cu oder auch für Al?
Das physikalische Modell gilt für beide Materialien, die Werte unterscheiden sich aber. Al hat geringere Leitfähigkeit (35 statt 56 m/(Ω·mm²)) — bei gleichem Querschnitt ist die Verlustleistung höher und die Belastbarkeit bei sonst identischen Bedingungen rund 25 % geringer als bei Cu.
Wie wirkt sich die Polzahl auf die Belastbarkeit aus?
Beim 4-Leiter-Drehstromsystem mit unsymmetrischer Last fließt im N-Leiter ein Anteil — ist die Last rein 3-phasig und symmetrisch, ist N stromlos und das Modell rechnet wie 3-Leiter. Bei nicht-linearen Verbrauchern (Schaltnetzteile) kann der N-Leiter sogar mehr Strom führen als die Außenleiter, dann wird die Belastbarkeit nach den schlechteren Bedingungen gewählt.

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