Installationsmethoden
TT-System
Auch bekannt als: TT-Netz, TT-Erdung
Kurzantwort
Erdungssystem, in dem die Stromquelle und die Körper der Verbraucher jeweils über eigene, voneinander unabhängige Erder geerdet sind — der Fehlerstrom fließt über das Erdreich zurück.
Grundlage: Kategorie: Installationsmethoden
Ausführliche Definition
Im TT-System (Terre-Terre) wird der Trafo-Sternpunkt netzseitig geerdet, die Verbraucheranlage bekommt aber einen eigenen Anlagenerder — es gibt keinen durchgehenden Schutzleiter bis zur Quelle. Ein Erdschluss muss deshalb über zwei Erdungswiderstände in Serie zurückfließen: den Anlagenerder und den Betriebserder des Netzes. Diese Schleife ist um Größenordnungen hochohmiger als im TN-System, der Fehlerstrom bleibt entsprechend klein und reicht in der Regel nicht aus, um einen Leitungsschutzschalter im unverzögerten Bereich auszulösen. Das zentrale Schutzelement ist daher der RCD, der bereits bei Differenzströmen von 30 bis 300 mA abschaltet. TT-Netze sind in Teilen Frankreichs, Spaniens und in einzelnen deutschen Netzgebieten üblich.
Typische Werte und Bandbreite
| Typischer Bereich | regional verbreitet, in Deutschland netzbetreiberabhängig |
|---|
Anwendung in unseren Rechnern
Unser Schleifenimpedanz-Rechner rechnet mit dem TN-System der typischen deutschen Hausinstallation. In einem TT-System wäre dieselbe Z_s-Rechnung nicht zielführend — dort weist man die Abschaltung über die RCD-Bedingung R_A · I_Δn ≤ 50 V nach, also über den Anlagenerder-Widerstand statt über die Leitungsimpedanz.
Häufige Missverständnisse
Häufiger Irrtum: ein RCD mache aus jedem Netz ein TT-System. Die Netzform wird vom Netzbetreiber und der Erdungs-Architektur bestimmt, nicht vom verbauten Schutzgerät — ein TN-C-S-Netz mit RCD bleibt ein TN-Netz. Umgekehrt ist im echten TT-System der RCD keine Komfort-Ergänzung, sondern die Grundvoraussetzung des Fehlerschutzes.
Häufige Fragen
Fachliche Details zu dieser Parameter-Kombination
Woran erkenne ich ein TT-System?
Am Hausanschluss kommt kein PEN- oder PE-Leiter vom Netz an — der Schutzleiter der Anlage endet am eigenen Erder (Fundament- oder Tiefenerder). Verlässlich klärt das nur der Netzbetreiber oder eine Elektrofachkraft mit Blick in den Hausanschlusskasten.
Warum löst der LS-Schalter im TT-System beim Erdschluss nicht aus?
Der Fehlerstrom muss durch zwei Erdungswiderstände in Serie — typisch sind dabei mehrere Ohm bis einige zehn Ohm. Bei 230 V ergeben sich dann nur wenige Ampere Fehlerstrom, weit unter dem unverzögerten Auslösebereich eines B16 (80 A). Deshalb übernimmt der RCD die Abschaltung.
Welcher Erdungswiderstand ist im TT-System zulässig?
Die Bedingung lautet R_A · I_Δn ≤ 50 V: Mit einem 30-mA-RCD ergibt sich rechnerisch ein maximaler Anlagenerder-Widerstand von rund 1.667 Ω — praktisch wird ein deutlich kleinerer Wert angestrebt, um Reserven für Witterung und Alterung des Erders zu haben.
Siehe auch
Verwandte Begriffe im Lexikon.
TN-System
Erdungssystem nach DIN VDE 0100-410, in dem ein Punkt der Stromquelle (typisch der Traf…
IT-System
Erdungssystem mit isolierter oder hochohmig geerdeter Stromquelle: Der erste Erdschluss…
RCD-Typ
Klassifizierung des FI-Schutzschalters nach Wellenform des Fehlerstroms, den er sicher …
Schleifenimpedanz
Gesamtwiderstand der Stromschleife vom Versorger über den Außenleiter zum Fehlerort und…
Orientierungshilfe · Prüfung durch Elektrofachkraft erforderlich
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